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Sizilien - Tempel der Heilung - Tempel des Lebens

Erice und Segesta - Agrigent - Selinunt - Erakleia-Minoa

Im 8. Jahrhundert v. Chr. machten sich verschiedene Gruppen griechischer Siedler auf die Suche nach neuen Lebensräumen. Die fanden sie nicht nur an den Küsten Nordafrikas und des Schwarzen Meeres, sondern auch auf Sizilien. Die Siedler importierten nicht nur ihr Gesellschaftssystem, sondern auch ihre Mythen und ihre Religion. Sie setzten ihre Tempel an die Standorte von Heiligtümern, die seit undenklichen Zeiten als Stätten der Verehrung der Natur oder von Naturgottheiten geschätzt und geehrt waren.

 

Ahnungsvoll erhebt sich die Frage, wer die Baumeister waren und welches Wissen sie hatten. Welche Beziehung wurde hergestellt, um einen Tempel einer bestimmten Gottheit zu weihen? Wir wissen, dass die alten Baumeister sowohl zur Auswahl des Standortes als auch für die Maße eines Tempels den Kosmos, die Sterne und die Planeten und deren Umlaufbahnen einbezogen. Welche umfassenden Kenntnisse hatten sie von den Entsprechungen der Kräfte in Astronomie, Astrologie, Psychologie, Medizin?

Welche Zusammenhänge bestehen hierbei in der Wirkung eines Tempels auf Körper, Geist und Seele? Sind wir mit unserem heutigen Weltbild, mit unserer Bildung, mit unserem Bewusstseinstand in der Lage, diese Symbiose nachzuvollziehen? Nein, wir denken und fühlen verhaftet in Spezialisierungen und Systemen, wodurch uns der Reichtum eines größeren Bezugsrahmens verloren geht. 

Erice & Segesta
Zwei reizvolle Ziele erwarten uns im Westen Siziliens, der 'Liebesberg von Erice' und der Tempel von Segesta, der im Binnenland, 30 km von der Küstenstadt Trapani entfernt, liegt.

Wie ein Adlerhorst thront Erice, wenige Kilometer nordöstlich von Trapani, auf einer imposanten Bergspitze geschützt von zyklopischen Stadtmauern. Auch in Erice zeigt sich, daß exponiert gelegene Orte in Sizilien gern als Standort für Heiligtümer gewählt wurden. Die 751 Meter hoch gelegene Stadt war seit prähistorischer Zeit besiedelt; bereits die Phönizier hatten hier ein Heiligtum der Göttin Erykfna errichtet, die die Griechen später mit Aphrodite gleichsetzten.

 

Nachgewiesen ist eine Besiedlung unter den Elymern und Phöniziern. Ihren Namen ver-dankt die Stadt jedenfalls dem Elymerkönig Eryx, der Sage nach auch er ein Sohn Aphrodites. Ihr zu Ehren ließ er einen prächtigen Tempel errichten. Von den Karthagern als Astarte, von den Griechen als Aphrodite, von den Römern als Venus verehrt, zog die Göttin einen endlosen Zug von Pilgern zu ihrem Liebesberg.

Christliche Glaubensstreiter ließen von dem Heiligtum keinen Stein auf dem anderen. Auf den Hügel der Liebesgöttin setzten die Normannen schließlich ein mächtiges Kastell und nannten das antike Eryx fortan Monte San Giuliano.

Wenn heute auch touristisch orientiert, vermittelt der Berg einen Ausdruck von Kraft und Schönheit, die nicht nur denen Griechen ein Anliegen waren, sie miteinander zu verbinden.

Segesta
"Die Lage des Tempels ist sonderbar: am höchsten Ende eines weiten, langen Tales, auf einem isolierten Hügel, aber doch noch von Klippen umgeben, sieht er über viel Land in eine weite Ferne, aber nur ein Eckchen Meer. Die Gegend ruht in trauriger Fruchtbarkeit, alles bebaut und nirgends eine Wohnung. Auf blühenden Disteln schwärmen unzählige Schmetterlinge....", so berichtete Goethe von seinem Besuch des Tempels.
Der Tempel von Segesta verkörpert von allen sizilianischen Tempeln am deutlichsten das klassische Ideal des griechischen Tempelbaus. Der Tempel von Segesta gehört zwar zur griechischen Tempelkultur, erbauen ließen ihn aber die Elymer.

Der Tempel von Segesta blieb unvollendet und niemand weiß, welchem Gott oder Göttin er geweiht werden sollte. Die Elymer ließen ihn von griechischen Baumeistern errichten, wahrscheinlich als Pendant oder Vergrößerung des alten Aphrodite Heiligtums in Erice; sie erwehrten sich der griechischen Einflüsse in mancherlei Hinsicht, auch der Übernahme der griechischen Religion. Die Elymer waren noch tief verbunden mit der früheren, auf Sizilien sehr lange vorherrschenden Verehrung der Mutter-Göttin, die, wie auf Malta, auch in Sizilien zur Erbauung großer Ringtempel geführt hatte.

Das Tempeltal von Agrigent
Die Provinzhauptstadt Agrigent gehört zu den meistbesuchten Orten auf Sizilien. Ihren Ruhm verdankt sie den einzigartigen griechischen Tempeln, die zu den am besten erhaltenen der Welt gehören. Wie aus einer längst versunkenen Zeit erheben sich die Prachtbauten der antiken Stadt Akragas auf einem steil aufragenden Felskamm, nachts dramatisch in Scheinwerferlicht getaucht.

 

Wie ein Diadem zieren die drei Bauten des östlichen Tempelhügels die Schauseite der Stadt. Am östlichsten und höchsten Punkt steht der zwischen 460 und 440 v. Chr. erbaute Tempel der Hera. Der Concordia-Tempel (Tempio di Concordia; um 425 v. Chr.) ist einer der vollständigsten Tempel der gesamten griechischen Welt. Seine Bauteile zeichnen sich durch klassisches Ebenmaß aus.

Vorbei an einer frühchristlichen Nekrepole gelangt man zum archaischen Tempel des Herakles. Im westlichen Tempeltal blieb nur ein gigantisches Trümmerfeld vom kolossalen Tempel des Olympischen Zeus (Tempio di Giove Olimpico). Der Tyrann Theron hatte ihn 480 v. Chr., nach dem Sieg bei Himera von karthagischen Kriegsgefangenen errichten lassen.
Seine unerhörten Ausmaße (57 x 113 rn) und seine eigenwillige Bauart sind einzigartig im griechischen Tempelbau. Der Hera-Tempel hätte neun Mal in ihm Platz gefunden. Allein die Säulen hatten einen Durchmesser von 4 m und eine Höhe von etwa 18 m. 

 

An der südwestlichen Stadtmauer breitet sich das Heiligtum der Chtonischen Gottheiten aus. Im uralten Kultbezirk der Unterwelts- und Fruchtbarkeitsgötter Demeter, Hades und Persephone wurden die Opfer in einfachen, brunnenartigen Opfergruben dargebracht. In der ersten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. wurde dieses Heiligtum durch den sogenannten Tempel der Dioskuren (Castor und Pollux) überbaut.

 

Selinunt: Ein ganzer Park von Kraftplätzen mit antikem Flair in landschaftlicher Idylle. Die antiken Bauten wecken nicht nur bei Archäologen das Fieber des Spurensuchers.

 

Zu den faszinierendsten archäologischen Stätten Siziliens zählt das Ausgrabungsgebiet von Selinunt. Ausgedehnte Olivenhaine, Weinberge und tiefblaues Meer umgeben das fast 300 Ha große Gelände. Bereits seit der Zerstörung durch die Karthager war Selinunt nur noch eine Geisterstadt, die allmählich unter dem Flugsand verschwand. Erst im 16. Jh. wurde es wieder entdeckt, ab dem 19. Jh. begann man mit der systematischen Ausgrabung der Stadt und der Tempelanlagen.

 

Die Strada dei Templi führt zum Eingang der Akropolis, Festung und Hauptkultplatz der Stadt. Umgeben von einer mächtigen Wehrmauer erhob sich zwischen zwei Flussniederungen das zum Meer hin steil abfallende Burgplateau. Ein System rechtwinklig sich kreuzender Straßen durchzieht die Anlage. Viel hat man herumgerätselt, warum man angesichts dieser prächtigen Tempel noch einen zweiten Tempelbezirk angelegt hat. Sicher spielte nicht nur Verehrung für die Götter eine Rolle. Mit dieser großartigen Kulisse wollten die erst wenige Jahrzehnte zuvor eingewanderten Griechen auch ihre Macht und Größe gegenüber anderen Stadtstaaten demonstrieren.

Eraklea Minoa

Kreidebleich und wunderschön wird die Küste nach Sciacca genannt. Einen ganzen Tag könnte man in dem 35 km von Agrigent entfernten Eraclea Minoa verbringen. Die griechische Siedlung thront auf dem weiß leuchtenden Kalkplateau von Capo Bianco, hoch über einem der schönsten Badestrände Siziliens. 

 

Eraklea Minoa ist von einem Geheimnis umweht, das sich vielleicht erschließen läßt, wenn man an den mythologischen Baumeister, Künstler und Erfinder Daidalos denkt, der den minoischen Palast auf Kreta erbaute, der mit seinem Sohn Ikarus der Gefangennahme in Kreta entfloh, indem er Flügel aus Wachs herstellte und 'entflog'. Ikarus stürzte ab, Daidalos kam in Sizilien an und erbaute dem König Kokalos eine uneinnehmbare Burg, die auch 'Kristall-Palast' genannt wurde. Er richtete einen künstlichen See her und erschuf sagenhafte Skulpuren, die weithin bekannt und verehrt wurden.

Nähert man sich heute den Ruinen dieser Stätte, so wird man schon weitem neugierig auf das, was dort in der Sonne funkelt. Es ist ein Meer von Kristallen, von dem die alten Mauern durchzogen sind.   

 

 

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