Kartenlegen und Orakeltechniken

Informationen über Hintergründe der Kartenarbeit


Scarpini-Tarot-Karten

Symbolik aus dem weltberühmten Scarpini-Tarot (1984).

Scarpini (ital. Maler) ergänzte die fehlenden Karten des handgemalten, aus dem 15. Jahrhundert stammenden 'Cary Yale' und Pierpont Morgan-Bergamo Tarock.

Allgemeine Betrachtungen und Erläuterungen zu Orakeltechniken und Divinationsmethoden
Beim tiefergehenden Umgang mit Symbolen - ob auf Karten, Münzen oder wie auch immer - haben wir es mit einer Orakel- oder Divinationsmethode zu tun. Der Begriff 'Orakel' lässt immer etwas offen, 'Divinationsmethode' heißt, sich mit dem Göttlichen zu verbinden.

Die alten Griechen waren noch sehr nahe an einer realistischen Vorstellung. Plutarch schreibt in seiner Moralia:
Ich denke du kennst das Wort Heraklits: "Der Herr, dem das Orakel in Delphi gehört, sagt nicht und verbirgt nicht, sondern er deutet an.
Nimm zu diesem vortrefflichen Wort den Gedanken hinzu, daß der Gott hier sich der Pythia bedient, um zu unserm Ohr zu dringen, so wie die Sonne sich des Mondes be-dient, um unser Auge zu erreichen: er offenbart und eröffnet seine Gedanken, aber of-fenbart sie unter Vermischung mit einem sterblichen Körper und einer menschlichen Seele, die nicht Ruhe zu bewahren vermag."

Wie weise und voller Akzeptanz, dass der Mensch der ein Orakel ausspricht dennoch ein Mensch, allenfalls ein Übersetzer des göttlichen Willens und der göttlichen Weisheit ist, und dass bei jedem Menschen die Verantwortung liegt, in Freiheit nach seinem eigenen Willen zu handeln.

Michael Secter - I-Ging Meister - drückte es anders aus:
"Jede Orakel- oder Divinationsmethode verbindet dich mit dem 'Kosmischen Jetzt' - von dem du nie getrennt bist - und zwar auf eine Weise, die den Augenblick der Gegenwart während der Befragung einfriert.
Dies gleicht dem Fotografieren, einer Aufnahme, die du betrachten kannst, um über sie zu reflektieren und dich entsprechend zu verhalten. Wenn du das auf richtige Weise angehst, kannst du eine angemessene und sinnvolle Antwort erwarten. Mit anderen Worten: Du erlaubst einer Lösung, sich vorzustellen oder sich dir anzubieten.
Angefangen bei der endlosen Vielfalt von Aktivitäten, die einen beträchtlichen Teil unseres Lebens in Anspruch nehmen, ist es möglich, durch das Reich der Vielfalt zu jenem Teil des eigenen 'Selbst' zurück zu reisen, der mit allem im Universum eins und in Harmonie ist: zu jenem Teil von uns, der nicht getrennt ist von allem was existiert, zu dem 'Ich ohne Trennung'.
In diesem Licht und mit dieser Einstellung wurden Orakeltechniken von den größten und angesehensten Persönlichkeiten seit über 4.000 Jahren verwendet."

Wie groß ist das Erstaunen und die Betroffenheit desjenigen, der sich in eine Orakeltechnik hineinarbeitet, wenn er wahrnimmt, wie genau das Ergebnis auf diesen Menschen und seine Situation zugetroffen ist. Es stellt sich das Gefühl ein, dass hier etwas Größeres dahinterstehen muss, ein Zusammenhang aus einer dem Deutenden einleuchtenden Empfindung, aber nicht ein objektives, begründbares Wissen. Man könnte sagen, dass die Symbolik eine Sprache ist, ein Hilfsmittel oder ein 'Instrument', zur 'Übersetzung' der inneren Zustände.

Die Aussagen der Karten beinhalten das, was ein Mensch manchmal als vage Ahnung in sich trägt, ohne es greifen und umsetzen zu können. Die Erfahrung spricht dafür, dass bei vielen Menschen allein ein einziger derartiger Vorgang, bei dem sie eine Öffnung zu höheren Bewusstseinsebenen erlebt haben, die Intuition dauerhaft öffnet. Ein bewusster Zugang zum Höheren Bewusstsein wird hergestellt, aus dem heraus wir den Mut finden, auf die 'innere Stimme' zu hören, ohne dies auf der Verstandesebene nachvollziehen zu können. Durch die ganzheitliche Sicht der eigenen Persönlichkeit wird dem Menschen eine Erkenntnis zuteil, die er auf der intellektuellen und Verstandesebene nicht erreicht.

Jede Orakeltechnik überschreitet unseren linearen Zeitbegriff. Jede Divinationsmethode erschließt Realitäten, Wahrscheinlichkeitsebenen und andere Wirklichkeiten (Dimensionen). Hierbei ist eine erweiterte Sicht und ein umfassenderes Spektrum in der Betrachtung der Kartenbilder erforderlich. Dies halte ich für eine große Herausforderung im Umgang mit einer Orakeltechnik, da andere Dimensionen, Zeiträume und ihre Schwingungsebenen zu berücksichtigen sind.

Wenn wir uns außerhalb von Zeit und Raum bewegen, kommen wir in Verbindung mit 'Allem Was Ist'. Unser unabhängiger, freier, interdimensionaler Geist bewegt sich auf jeder Ebene. Aus den übergreifenden Betrachtungsmöglichkeiten der Karten, ergeben sich deshalb auch Bilder bzw. Einsichten in andere Inkarnationen (oder Seins-Formen) eines Menschen, sogar in anderen kosmischen Bereichen.


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Die Arbeit mit Karten
Das 'Orakel' der Karten beruht auf der Annahme, dass die Symbole nicht unabhängig vom Bewusstsein des Fragenden sind. Die Seinsheit des Fragenden und die Karten stehen miteinander in Beziehung - über die Vorstellung der äußeren Vernunft und über das Verständnis von Raum und Zeit hinaus.
Die Karten und der Fragende beeinflussen sich gegenseitig. Die höheren Dimensionen des Bewusstseins beim Fragenden kennen das schließlich erscheinende Bild bereits - bevor die Karten gemischt sind.

Das höhere Bewusstsein des Fragenden kennt auch die Antwort auf die Frage, die der Fragende stellt, und das Mischen und Aufdecken der Karten ist lediglich eine Handlung in der linearen Zeit, ein Mechanismus, der den Kanal zu den höheren Bewusstseinsebenen öffnet.
Oder anders ausgedrückt, unser gewöhnliches Bewusstsein ist immer in der Vergangenheit in bezug auf ein erweitertes Bewusstsein. Die höheren Ebenen nutzen lediglich die Zeit und den Raum als äußere Organisationsebenen, mit deren Hilfe sie etwas darstellen, was mit Raum und Zeit gar nichts zu tun hat!

Es handelt sich um die Fähigkeit, eine sensible Rezeptivität zu entwickeln, seismographisch zu registrieren, was im eigenen Inneren oder in anderen Menschen vorgeht, Gefühle und seelische Prozesse nachzuempfinden, sie als Impression im eigenen Bewusstsein wahrzunehmen. Aus der Symbolik und dem 'Fluss der Karten' ist dann die mögliche oder wahrscheinliche Entwicklung zu sehen, die sich in der Zukunft manifestieren kann.

Wie unglaublich die Theorie der Kartensymbolik dem rationalen Denken auch erscheinen mag, .... das rationale Denken ist kein guter Schiedsrichter in dieser Frage!
Kartenarbeit ist eine der besten Techniken, um sich einen raschen Einblick in das Unterbewusstsein, in persönliche Motive, in zeitliche und räumliche Beziehungen sowie in Abwehrmechanismen zu verschaffen und mit dem Höheren Bewusstsein zu kommunizieren.
Außerdem dient es zur Neu-Konditionierung emotionaler Reaktionen, zur Verbesserung der intuitiven Fähigkeiten, zur Umstrukturierung persönlicher Glaubenssysteme, und es bietet einen ersten Zugang zu universelleren Ebenen der Bewusstheit.

Der große Psychologe und Wegbereiter der Transpersonalen Psychologie, Carl Gustav Jung, hat verschiedene Orakeltechniken studiert und seine Verständnisebene für psychologische Abläufe damit erweitert.

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Das tiefenpsychologische Kartenlegen.
Wir können davon ausgehen, dass unsere äußeren Lebensumstände in der Spiegelung unsere inneren Abläufe darstellen sowie Ausdruck unserer seelischen Entwicklung und unseres psychischen Zustandes sind, nach dem hermetischen Gesetz - 'wie innen, so außen'. Eine Öffnung, eine Beleuchtung dieses inneren Zustandes ist möglich durch verschiedene Techniken, u.a. durch die Arbeit mit Symbolkarten.

Das Kartenlesen sollte zur seelischen Entwicklung und Bewusstseinserweiterung beitragen, in der Erkenntnis, dass wir alle unseren "Rucksack" gefüllt mitgebracht haben aus verschiedenen Inkarnationen und unbewusst in Mustern verharren, die sich nicht ausschließlich in diesem Leben entwickelt haben. Diese Problematik fließt in unsere Gegenwart hinein und bedarf der Klärung und Auflösung.

Die Sprache der Symbole kann man in ihrer individuellen Zusammenlegung lesen. Dies gleicht der fotografischen Aufnahme eines Hologrammes, das unsere derzeitige Situation lebensnah erfasst und vorhandene, uns oft unbewusste oder unüberwindbar erscheinende Schwierigkeiten und deren Ursachen aufzeigt und verständlich macht. Hierdurch begegnen wir z.B. Krankheiten und Konflikten, Stagnation, Ängsten und Wiederholungsverhalten aus einer anderen Perspektive.

Eine realistische Sicht zu der alten Orakeltechnik des Kartenlegens und zu vielfach falsch verstandener 'Zukunftsdeutung' ist, dass die in der Zukunft sichtbaren Ereignisse die logische Folge unserer Verhaltensmuster und unserer eigenen Aufgabenstellungen, auch vor dem Hintergrund karmischer Aspekte, auf der irdischen Ebene sind. Wir sind dem 'Schicksal' nicht ausgeliefert, sondern wir können unser Leben gestalten. In allen Lebensbereichen sind Alternativen und Lösungen zu finden, um die eigene Lebenssituation zu ändern, vorausgesetzt wir wollen. Es ist jedoch einfacher zu 'wollen', wenn wir eine Erkenntnis über die unbewussten Zusammenhänge und Ursachen erringen.
Selbstverständlich können wir nicht alles in unserem Leben ändern, wir können aber ein anderes Bewusstsein dafür entwickeln was unveränderbar in unseren Lebensplan gehört.

Die ausgelegten Karten stellen ein Gesamtbild der inneren, nicht nur in der Psyche sondern auch auf anderen Bewusstseinsebenen ablaufenden Legende dar. Wir treten einmal in einen Dialog mit unserem 'Inneren Lehrmeister' ein, der ein Teil unserer höher entwickelten Kausal-Seele ist und wir begegnen unserem Höheren Selbst. Durch die Öffnung zu höheren Bewusstseinsebenen, die ebenso Teil unseres Seins sind, wird unsere Sicht erweitert, finden wir Möglichkeiten, aus uns belastenden engen Schuld- und Bewertungsmechanismen herauszutreten, weil wir die Ursachen zur eigenen Entwicklung, zu unserem eigenen Weg und dessen Sinnhaftigkeit erkennen.

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Kartenlegen - historisch gesehen
Das Kartenlegen gehört zu den ältesten Orakeltechniken. Wann und wo zum erstenmal aus Karten "gelesen" wurde, ist unbekannt. Das "Wahrsagen" mit Karten, ist in unserem Kulturbereich seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Der Begriff Wahrsagen ist mehr als doppeldeutig, verstand man doch in alter Zeit darunter 'die Wahrheit zu finden oder zu sagen'.
Nur die Unwissenheit über die Tiefe, die wirklichen Hintergründe, die Ernsthaftigkeit und die Angst vor der Wahrheit, in erweitertem Sinne 'vor der Wirklichkeit', ließen diesen Begriff in die Negativität abrutschen.
Außerdem wurde es einer Volksgruppe zugeordnet, den Zigeunern, die nicht beliebt waren. Die Weisen unter dem 'fahrenden Volk' haben jedoch dazu beigetragen, das Wissen um die alten Orakel-Techniken über das 'dunkle Zeitalter' hinwegzuretten.

Man sagt, dass alle Kartenspiele auf das Tarot zurückgehen, das aus dem alten Ägypten stammt, oder sogar aus der legendären Atlantischen Zeit, andere meinen aus China, aus Indien usw. So viel über die Geschichte der Karten geschrieben wurde, so viele Meinungen über die Herkunft gibt es. Die überwiegenden, nachvollziehbaren Hinweise deuten jedoch auf Ägypten.

Wir können davon ausgehen, dass sich die Kartenvorlagen des Tarot aus den mystischen, heiligen Einweihungsbildern des alten Ägypten entwickelt haben. Die Ägypter haben ihre Bildwerke in Stein an den Wänden ihrer Tempel angebracht. Wie beeindruckend müssen diese Einweihungsbilder, aufgebaut nach einer universellen Ordnung, nach 'Zahl und Maß', ausgesehen haben.
Sie dienten zum Verständnis der Psyche und zur Entwicklung der archetypischen, auf das Wachstum der Seele bezogenen Lebensinhalte des Menschen.
Dem Umgang damit lag ein tiefenpsychologisches Konzept zugrunde, das alles in den Schatten stellt, was heute unter Psychologie verstanden wird.
Für diese Ausbildungs- und Einweihungszentren wurden nur fortgeschrittene Adepten ausgewählt, solche, die eine logische und emotionale Kombinationsgabe entwickelt hatten und bereits Meister in Einfühlungsvermögen und Rezeptivität waren. So mancher mag heute seine Affinität zu Karten aus dieser Vergangenheit beziehen.

Die Symbolik der Karten stellt ein faszinierendes Bindeglied zu vergangenen Kulturen und deren Weltverständnis her, als Spiele und das Spielen nicht ausschließlich zum Vergnügen und zur Unterhaltung geschahen, sondern als Methoden angesehen wurden, durch die man direktes Wissen von der nicht-materiellen Welt erhalten konnte.
Der Mensch trat durch das Orakel in persönlichen Kontakt zur Gottheit. Der Respekt vor dem Orakel hatte sich über Jahrhunderte deshalb erhalten, da es in der Vorzeit den Platz einer Gottesverfügung oder eines Gottes-Gerichtes einnahm. Jede Handlung oder jedes Ereignis wurde als ein bewusster Akt der Göttlichkeit angesehen.

Spiele und 'Spielen' in alten Zeiten wurden als sakrale Handlungen betrachtet und standen in direkter Verbindung zur Divination, d.h. zur Kommunikation mit übergeordneten Seinsebenen.

Erst mit der Verbreitung christlicher Gedanken wurde das Spielen in diesem Sinne als falsch angesehen. Die Christen waren der Ansicht, dass Divination an sich ein Übel sei, denn sie glaubten, dass Gott nur durch heilige Männer oder Propheten sprechen würde, und dass es Gotteslästerung sei, den Sehern divinatorische Fragen zu stellen oder Orakel zu befragen, da diese Kanäle unter dem alleinigen Einfluss des dämonischen Reiches stünden.
Diese Einstellung bezog sich auf alle ursprünglichen Divinationsmethoden, wie das Jahrtausende alte chinesische I Ging, Karten, Astrologie, ja sogar auf Brettspiele. Obwohl heutzutage Brettspiele nur als interessanter Zeitvertreib angesehen werden, sind sie in ihrem Ursprung untrennbar verbunden mit Divination, Astrologie und Geomantie.

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Die neue Attraktivität von Orakeltechniken gerade für nachdenkliche, vor allem an der eigenen Selbstfindung interessierte Menschen, ist kaum denkbar ohne den Beitrag der Tiefenpsychologie.

Der berühmte Schweizer Psychologe C.G. Jung ging hier richtungsweisend voraus. C.G. Jung hatte neben seinen eigentlichen denkerischen Schwerpunkten, der psychotherapeutischen Praxis und der tiefenpsychologischen Forschung, immer wieder lebhaftes Interesse gezeigt an zwei weiteren Wissensgebieten: dem der Parapsychologie, besonders mit den Phänomenen der Telepathie und des Hellsehens, und dem der Kernphysik.

Auf diesen Gebieten, die es beide mit schwer einzuordnenden Beobachtungen zu tun haben, wie in manchen "normalen" Erlebnissen des Alltags, aber auch in der alten fernöstlichen Orakelphilosophie des "I Ging", glaubte er immer wieder auf dieselbe Grundgegebenheit zu stoßen, die er auch in seiner astrologischen Erfahrung antraf: Zur selben Zeit, in welcher ein bestimmtes äußeres Ereignis eintritt, stellt sich bei einem Menschen auch ein bestimmter psychischer Zustand ein, und umgekehrt. Beide Ereignisse sind sinngleich, d.h. sie zeigen denselben archetypischen Inhalt.

Die Begriffe der "Archetypen", "Synchronizität", "kosmische Projektion" und das "kollektive Unbewusste" der Menschheit wurden zu Grundpfeilern seiner Arbeit. Das Stichwort "kosmische Projektion" gründet auf einer Beobachtung Jungs, die für sein ganzes psychologisches System grundlegend wurde: Er stellte fest, dass in den Träumen, den Phantasien und den Malereien seiner Patienten immer wieder Bilder auftauchten, die er in ähnlicher Form auch in den Mythen, Sagen, Kulten und Symbolen urtümlicher Kulturen wiederfinden konnte. Er kam zu der Annahme, dass wir es hier mit einem Schatz von inneren Bildern zu tun haben, welcher der ganzen Menschheit seit ihren Anfängen gemeinsam ist und der seinen Wohnort in der tiefsten Schicht jeder menschlichen Seele hat.

Dr. Marie-Louise von Franz, langjährige Mitarbeiterin von C.G. Jung, befasst sich in ihrem Buch "Wissen aus der Tiefe" eingehend mit dem Hintergrund von Orakeltechniken. Sie beschreibt die archetypische Konstellation (in der das Muster und der Hintergrund einer Lernphase zu sehen ist), als Situation, die mit einer enormen Energie Druck auf den Menschen ausübt und er in diesem Moment in der Lage ist, sein Inneres zu beleuchten, freizugeben für die Sicht dessen, der das Orakel lesen kann.

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Der 'Blick hinter die Kulissen' erweitert selbstverständlich unser Verständnis für das Leben schlechthin. Wir werden konfrontiert mit der Privilegiertheit, ein 'Mensch' zu sein, denn dieses Leben ist ein großes Geschenk, auch wenn es so manchem mühsam und eher als eine Strafe erscheint. Sobald wir das 'Spiel' und seine Regeln verstanden haben, werden wir uns ohne Frage in den Welten der Bewusstseinsentwicklung vorkommen wie jemand, dem man eine Luxusreise geschenkt hat!

Wir werden begreifen, dass eine Ebene der Polarität, wie diese Erde, unendlich viele Möglichkeiten der Entwicklung und des Wachstums bietet, und nicht nur das. Wir können uns wahrhaftig als Reisende verstehen, als schöpferische Einheiten, die wie Funken (Monaden), aus der göttlichen Quelle entsprungen, ihre Bahnen ziehen und als Ausdruck dieser Schöpferqualität zu einem gigantischen, kosmischen Prozess beitragen.

Auch wenn wir auf der langen Reise vergessen haben sollten, wo unsere Heimat und was unser Ursprung ist, so trägt jeder von uns die Qualität der Göttlichen Quelle in sich. Wenn wir auch mit Blindheit geschlagen sind und denken mögen, dass es nur diese eine Reise im JETZT gibt, so werden wir mit Sicherheit irgendwann und irgendwo wieder erkennen können, wo unser Heimathafen ist. In Wahrheit fühlt es jeder von uns ganz tief in seinem Inneren.

Diese innere Gewissheit wurde über Äonen überlagert von Erfahrungen, von Glück, von Leid, von Zweifeln und Schuld, von unterschiedlichen Lebensprozessen in verschiedenen Daseinsformen. Unsere innere Stimme jedoch - mag sie noch so leise schwingen - ist die Verbindung zu unserem wahren Selbst, zu unserer göttlichen Natur. Sie wird uns den richtigen Weg zeigen.

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Kritische Betrachtung
Hilfe aus den Karten kann nicht darin gesehen werden, die Aussagen der Karten abstrakt, oder Voraussagen als schicksalsbedingt und gegeben anzunehmen, sondern vielmehr darin, die derzeitigen Lebensumstände zusammenfassend zu erkennen, Aspekte, Tendenzen und Möglichkeiten wahrzunehmen, die noch nicht in unser Alltags-Bewusstsein vorgedrungen sind, um z.B. die eigene Einstellung zu korrigieren. Die Karten sollen zum Nachdenken und zur Weiterentwicklung anregen. Im Vordergrund ist der Hinweis nötig, dass alle Wege, die wir gehen, von uns selbst gewählt und herbeigeführt wurden und, dass keiner sich mehr vorgenommen hat, als er verkraften kann.

Den Aussagen der Karten wird oft ein Erfüllungszwang nachgesagt. Kritisch ist in der Tat zu betrachten, dass Zukunftsvoraussagen hin und wieder fast fatalistisch erfüllt wurden, mit dem Hinweis: "Die Karten haben es gesagt." Hier ist an die Lebenseinstellung des Fragenden und an die Verantwortung des Kartenlegers und dessen Formulierungen zu appellieren. Dem Kartenlegen kann aus dieser Sicht keine Verantwortung übertragen werden.

Wir begegnen hier einer der bedeutendsten 'Schnittstellen' im Bewusstsein. Hier muss sich die Frage von Selbstverantwortung, Selbstvertrauen und Einsicht stellen. Andernfalls 'ergebe' ich mich. Selbstverständlich ist an dieser Stelle eine Überprüfung erforderlich, ob und was ich ändern will bzw. ob ich den Kurs ändern kann. Auch wenn ein Kartenbild aus der 'Momentaufnahme' innerhalb der Zeit eine voraussehbare Entwicklung bzw. Wahrscheinlichkeit darstellt, die wir nicht begrüßen können, so haben wir aber genau jetzt die Möglichkeit einzugreifen und u.U. 'das Ruder herumzuwerfen'.

Zukunftsbezogene Aussagen sind insofern mit Vorsicht zu genießen, als wir ausgestattet sind mit einem freien Willen. Zumindest können wir Lösungsmöglichkeiten und Alternativen ins Auge fassen. In erster Linie erkennt man hier Aspekte und Möglichkeiten, an denen man arbeiten kann.
Deshalb sollte die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen, niemals als Wahrsagerei oder Zukunftsdeutung ausgelegt werden. Im Bereich der begehrten oder gefürchteten Zukunftsaussagen muss man differenzieren, die meisten als solche bezeichneten 'Vorhersagen' sind keine.

Sehr einfach ist dies darzustellen an der hohen Kunst des Handlesens - der Chirologie. Während eine Reihe von Handlinien flexibel sind, verändern sich die wesentlichen, schicksalsbestimmenden Handlinien nicht, sondern spiegeln auf unterschiedliche Weise die Persönlichkeitsstruktur, die Ziele, die Lernaspekte, die Aufgaben wider, die ein Mensch sich für dieses Leben gestellt hat. Ein Chirologe, der Handlinien lesen kann, ist darum kein 'Wahrsager'. Er nimmt, sofern es die Zukunft betrifft, einen Einblick in den in der Zeit noch nicht stattgefunden Lebensplan, er hat nur im linearen Zeitbegriff etwas 'im voraus' erkannt, was sich von der Tendenz her in der Zukunft einstellen kann.

 

 

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Praxis für transpersonale Psychologie - Usch Henze